Frauen bei der FFW

Frauen bringen frischen Wind

Mannheimer Morgen 30. Januar 2010

Es ist kalt in der Halle. Durch das geschlossene Tor drückt kühle Januarluft. Die Wände sind schmutzig-weiß, einziger Farbklecks ist das Feuerwehrauto, das den kompletten hinteren Teil einnimmt.

Links daneben reihen sich Spinde an der kahlen Wand entlang.

Hier ziehen sich um, die Brandschützer. Mitten in der Halle. Einziger Rückzugsort für die Frauen: eine kleine Toilette.

"Das war einfach unzumutbar": Manfred Walter, Abteilungskommandat der Freiwilligen Feuerwehr Altstadt schüttelt den Kopf. "Wenn man Mädchen aufnimmt, dann müssen doch auch die Voraussetzungen stimmen." Seit er die Leitung der Einheit übernommen hat, setzt er sich dafür ein, dass diese Erfordernisse auch erfüllt werden.

Nun ist es endlich so weit und Walter führt stolz in die neue Frauenumkleide.

Sie ist einfach und funktional, aber um ein vielfaches größer als die kleine Toilette. Und - sie hat eine Dusche.
"Luxus", kommentiert Nicole Ziegler und lacht. "Jetzt müssen wir nach Einsätzen nicht mehr müffelnd ins Auto steigen."

 

Anfängliche Skepsis der Jungs

 

Mit elf Jahren war Ziegler 2000 das erste Mädchen bei der Jugendfeuerwehr Altstadt. "Wir haben sehr spät angefangen, auch Frauen aufzunehmen", gibt Walter zu.

Die Bedenken seiner Vorgänger waren zu groß. Frauen und Feuerwehr - das gehe nicht zusammen, so ihre Meinung.

Heute ist die Hälfte der Jugend weiblich.

Walter freut sich über das Interesse der Mädchen. "Ohne sie hätten wir richtige Nachwuchsprobleme."

Ein bisschen skeptisch seien die Jungs schon gewesen, erinnert sich Ziegler. Doch Probleme gab es nie. "Die waren alle ganz lieb zu mir", sagt die 20-Jährige lächelnd. Sie ist stolz auf ihre Vorreiterrolle. Seit drei Jahren ist sie nun bei den Aktiven.

"Wir werden immer mehr", fasst Alexandra Morano, Vertretung der Feuerwehrfrauen, zusammen. Doch in vielen Orten sind die Wehren immer noch nicht auf Frauen eingestellt. Das fängt bei den Räumlichkeiten an und geht bei dem Uniformen weiter.

"Es gab jahrelang nur Männerklamotten", erzählt Morano. "Erst seit kurzem haben wir Uniformen und Einsatzkleidung, die auch passen." Dass es in der Altstadt nun einen neuen Sanitärbereich für Frauen
gibt, höre sich vielleicht erstmal unspektakulär an. "Aber es zeigt, dass wir ein fester Bestandteil der Feuerwehr sind."

 

"Man lernt, sich durchzusetzen"

 

Auch Susanne Wölk freut sich über den neuen Umkleideraum. "Das macht alles viel unkomplizierter", sagt sie. Die Begeisterung für die Feuerwehr hat Wölk nach einem Praktikum gepackt. "Ich wollte in einen typisch männlichen Beruf reinschnuppern", erzählt sie. Der
Bezeichnung "typisch männlich" misstraute sie zutiefst. "Ich fragte mich: Warum sollte ich das nicht genauso gut können?" Seit dem ist sie dabei und seit ein paar Wochen aktiv. "Es macht einfach Spaß, Menschen zu helfen", sagt sie. Und außerdem: "Man lernt, sich durchzusetzen."

"Die Mädchen haben sich ganz gut gemacht", sagt mittlerweile auch Kurt Schneckenberger. Seit 60 Jahren ist er bei der Feuerwehr.

Eine Umstellung sei es anfangs dennoch gewesen.

"Die Mädels haben einen frischen Wind reingebracht", fasst Walter zusammen. "Vorher wäre hier auch niemand auf die Idee gekommen, zur Weihnachtszeit mal Plätzchen zu backen."

Für Florian (13) ist das alles kein Thema. Dass Mädchen in der Mannschaft sind - für ihn eine Selbstverständlichkeit.

Nur dass sie nun einen eigenen Umkleideraum haben und er sich immer noch in der kalten Halle umziehen muss, das wurmt ihn ein bisschen.

Vier Mädchen sind Feuer und Flamme

Die Jugendfeuerwehr Altstadt freut sich über den engagierten weibliche Nachwuchs

Von Claudia Kölbl

Mit elf Jahren war Nicole Ziegler das erste Mädchen bei der Jugendfeuerwehr Altstadt. Mittlerweile ist das fünf Jahre her. "Am Anfang waren ein paar der Jungen schon etwas skeptisch", erinnert sich die 16-jährige. Dann sei sie aber schnell akzeptiert worden.

Nicoles Bruder und Freunde mischten bereits in der Jugendgruppe mit. Das hat ihr den Anstoß gegeben mitzugehen. Mittlerweile ist Nicole nicht mehr das einzige Mädchen. Da sind noch ihre 11-jährige Schwester Julia, die 12 Jahre alte Adrianne Nielson und die 10-jährige Jennifer, die Tochter von Oliver Braun, dem Stellvertretenden Jugendwart.

 

Die vier Mädchen sind begeistert von ihrem etwas untypischen Hobby. "Man lernt, Leuten zu helfen, macht etwas Sinnvolles und hat Spaß dabei", meint Nicole. Andere in ihrem Alter würden nur draußen rumhängen. Adrianne stimmt ihr zu. "Man lernt was, aber hat viel Spaß dabei." Und es sei toll, dass sich die Jungs und Mädchen untereinander so gut verstehen.

In ihrer Klasse sei das ganz anders.

 

Die Jugendfeuerwehr trifft sich einmal in der Woche, um das theoretische und praktische Rüstzeug zu erhalten. Für Außenübungen rücken die vier Mädchen und sechs Jungen mit Uniform und Helm aus und simulieren einen Einsatz.

"Im Sommer machen wir nicht nur Trockenübungen", ist die 11-jährige Julia Feuer und Flamme: "Dann üben wir auch wirklich mit Wasser".

Einmal im Jahr gibt es einen "Test-Einsatz" mit den anderen Jugendfeuerwehren in Heidelberg und dem Jugendrotkreuz.

Letztes Jahr hat diese Hauptübung in Handschuhsheim an der Tiefburg stattgefunden.

"Der Brand ist sogar mit einer Nebelmaschine simuliert worden", erzählt Nicole.

Bei einem echten Einsatz darf die Jugendfeuerwehr allerdings nicht dabei sein. Das ist zu gefährlich und geht aus versicherungstechnischen Gründen nicht.

Erst mit 18 Jahren und nach einem Grundlehrgang darf man bei einem Alarm mit raus.

Bis dahin haben die vier Mädchen noch etwas Zeit.

Nicole ist sich aber jetzt schon sicher, dass sie vor ihrem ersten Einsatz bestimmt sehr aufgeregt sein wird.

Abteilungskommandant Manfred Walter ist froh um den weiblichen Nachwuchs. Frauen seien meist technisch begabter und feinfühliger als Männer.

Damit sich die Mädchen auch in Zukunft wohlfühlen, möchte der Abteilungskommandant eine abgetrennte Umkleidekabine einrichten lassen. Auch in ihren Familien haben die Mädchen Rückendeckung. Ihre Mutter sei zwar am Anfang etwas besorgt gewesen, erinnert sich Adrianne. "Das hat sich mittlerweile gelegt".

 

Ob die vier Mädchen bei der Freiwilligen Feuerwehr bleiben, wird sich zeigen. Nicole hat es auf jeden Fall vor. "Ich kann mir sogar vorstellen, in die Berufsfeuerwehr zu gehen", erklärt die 16-Jährige.