Carl Metz

Carl Metz: „Das Löschwesen ist Turnwesen“

 

Die Gründung der Feuerwehr in Heidelberg geht auf die Turnbewegung von„Turnvater“ Jahn zurück – Der Löschmittelfabrikant Metz regte die Bildung von Löschmannschaften an.
Heute gibt es 90 Hauptamtliche, 330 Aktive und 90 Reservisten

 

Von Thomas Seiler - Blick in die Stadtteile RNZ vom 19.10.2006

 

Viele Aspekte sprechen dafür, dass die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Heidelberg vor 160 Jahren auf die liberal anzusehende Turnbewegung von Friedrich Ludwig Jahn zurückgeht.
Quellen belegen, dass eine Reihe von Turnerstudenten anno 1846 an einem Fest des Heidelberger Löschmittelfabrikanten Carl Metz teilnahmen, der zur Zeit überall Feuerlöschmannschaften anregte.
Wohl auch der sozialen Verantwortung bewusst, beteiligten sich die ausgebildeten und geübten Turner im gleichen Jahr zusammen mit dem Feuerpiquet, der traditionellen Pflichtfeuerwehr der damaligen Zeit, an
einem Waldbrand im Heidelberger Stadtwald und boten sich als Turnverein an, auch Zukünftig bei Bränden mitzuhelfen. Sie gründete gar eine Löschmannschaft, die ein Jahr später durch die Stadt die ersten Löschgeräte erhielt.
Carl Metz, ohne Zweifel der Motor der Freiwilligen Feuerwehren, stellte deshalb folgerichtig in einem Flugblatt aus dem Jahre 1848 fest: „Das Löschwesen ist Turnwesen“

Gerade an dem Steigergerüst, das an der Heuscheuer entstand, erwiesen sich die Sportler als wahre Kletterkünstler.
Um 1900 zählte Heidelberg rund 50000 Einwohner und konnte auf 310 freiwillige Feuerwehrleute zurückgreifen, die in den Kompanien Altstadt, Weststadt, Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim
ihren Dienst versahen.

Mit den weiteren Eingemeindungen stieg dann die Zahl auf elf Abteilungen.
Seit 1980 gab es zusätzlich eine ständig besetzte Feuerwache mit zehn Hauptamtlichen in der Unteren Neckarstraße 90.

Später siedelte man in die Feuer- und Sanitätswache Ecke Kirchstraße / Alte Eppelheimer Straße um, was bis zum Jahr 1954 die Zentrale der Heidelberger Feuerwehr blieb.

1912 begann auch die Motorisierung der Feuerwehr, die neun Jahre später mit einer „automobilen Feuerspritze“, die 309 600 Reichsmark kostete, ihren ersten Höhepunkt.
Die Zeit des Nationalsozialismus gestaltete sich zum absoluten Tiefpunkt in der Geschichte der Feuerwehr. Zentralisierung, Politisierung und Militarisierung führten zur Umkehr des Grundsatzes „Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr“.

Die war am deutlichsten beim Brand der Synagoge im Jahre 1938
sichtbar, als man einem Teil der Bevölkerung Schutz und Hilfe versagte.
Als 1946 Heidelberg die magische Grenze von 100 000 Einwohnern überschritt, lag die Gründung einer Berufsfeuerwehr auf der Hand, die dann 1954 in die neue Feuerwache am Czyernyring umsiedelte und nächstes Jahr in ein neues Gebäude an der Speyerer Straße zieht.

Den rund 90 Hauptamtlichen stehen heute 330 Aktive und 90 Reservisten aus den einzelnen Abteilungen zur Seite.
Seit den 80er Jahren wuchs die Zahl der Frauen auf 26 an. Im 180 Mitglieder starken Nachwuchssektor tummeln sich immerhin 45 Mädchen. Hinzu gesellen sich noch 76 Mitglieder in den Orchestern Ziegelhausen, Handschuhsheim und Kirchheim sowie die Werkfeuerwehr Teroson.





Originalschreiben vom 2. September 1846

Übersetzung: (incl. Rechtschreibfehler)

 

Löblicher Gemeinderath!

 

Die Beihilfe des Turnvereins bei Bränden im Heidelberger Stadtwalde und bei Bränden überhaupt btr:

 

Auf die Mittheilung, welche dem unterzeichneten Vorstande des Turnvereins unterm 12ten August geschah, habe ich Folgendes vorzutragen:

 

Die Mitglieder des Turnvereins sind als Einzelne an die Brandstätte geeilt und nicht als Corporation.

 

Sie haben ihre Hilfe angeboten und geleistet wo es nöthig war und es ist von ihrer Seite durchaus keine Unordnung
oder Weigerung der Anleitungen, welche von den Sachverständigen gegeben wurden zu vollziehen, vorgefallen.





 

Ich selbst, der Vorsteher des Vereins, war am Platze. Es wurden jedoch nirgends wie es in § 4 steht einzelne
Abtheilungen mit besonderen Führern auf dem Platze gebildet, in welchem Falle die Turner in ihrem Vorstande und ihren Vorturnern sogleich Obmann und Führer gehabt hätten.

 

Ich kann überhaupt nicht absehen, was die Verweisung auf den § 4 der Verordnung vom 30 ten August mit einem dem Turnvereine zusetzenden Obmann zu thun hat da hier nur von den Weisungen und Anordnungen der Ortsvorgesetzten und Forstbeamten an die beim Brand Anwesenden die Rede ist.







 

Der Turnverein bietet, ich bin von dem
ganzen Verein beauftragt dieses zu erklären, seine Hilfe sowohl bei Waldbränden, als bei Bränden in den Gebäuden der Stadt und Umgegend an. Was Waldbrände
betrifft, so wird es zu keiner besonderen Ordnung bedürfen.





 

Die Turner, welche zu Hilfe eilen werden sich womöglich mit Werkzeugen versehen an der Brandstätte einfinden und unter der Führung ihrer Vorturner und Vorstände die zugegen, die thätige Hilfe leisten, welche man von ihnen erwarten kann und wie sie der Ortsvorgesetzte oder Forstbeamte unter dessen Leitung nach § 4 die Löschanstalten stehen begehren und anweisen wird.

 

Einen besonderen ihm von irgendeiner
Behörde gesetzten Obmann muß sich aber der Turnverein verbitten. Er kennt keinen Obmann als seine gewählten Vorstände und Vorturner und wird nach § 4 an Ort und
Stelle wenn nöthig sogleich Abtheilungen bilden und die von dem Ortsvorgesetzten oder Forstbeamten gegebenen Anordnung vollziehen.



 

Was das Löschen von Gebäuden betrifft und die städtische Löschordnung, so ist der Turnverein bereit eine Spritze mit den dazu gehörigen Geräthschaften vollständig zu bedienen und hierzu eine besondere Mannschaft einzuüben, ebenso eine besondere Mannschaft aufzustellen und einzuüben um die Feuerleiter anzulegen und die in den brennenden Häusern befindliche Gegenstände zu retten.

 

Löblicher Gemeinderath wolle in Erwägung ziehen, in wiefern dies in Übereinstimmung mit der städtischen
Löschordnung geschehen kann und uns hierüber die geeignete Mittheilung machen.

 

Bis dies geschehen ist, werden die Turner wie bisher geschah, als Einzelne oder unter ihren Vorturnern und
Vorstehern in Riegen getheilt stets mit Eifer bereit sein, ihre Beihilfe zu leisten.

 

Heidelberg am 2. Septbr. 1846

 

Küchler

 

d.Z. Vorsteher des Turnvereins